Kurse

  • Bericht

Quicklinks

Kursbericht Baumgartenmühle 30. - 31.08.08

Was haben ein Araber, ein New Forest Pony, ein Haflinger, ein Hannoveraner, ein Westfale, ein PRE, ein Irish Tinker und ein Quarter Horse gemeinsam? Trotz ihrer Verschiedenheit waren alle diese Pferde bei Veronika Friedrich am 30. und 31. August 2008 Teilnehmer an ihrem Dressurkurs.

Genauso unterschiedlich wie die Exterieure und Charaktere der Pferde waren dann auch die Reiter mit ihren Kenntnisständen. Aber der Reihe nach. Veronika Friedrich frisch gebackene FN Trainerin C – Klassisch Barocke Dressur, seit zweieinhalb Jahren regelmäßige Kursteilnehmerin bei Richard Hinrichs, Ruth Giffels, Desmond O’Brien und Marc de Broissia auf dem Zehmerhof in Aufkirchen, hielt ihren ersten eigenen Dressurkurs, auf der Reitanlage in Baumgartenmühle (Nähe Grafing, Münchner Osten) ab. Veronika oder auch besser bekannt unter Vero, hat hier ihren kleinen aber feinen Offenstall gepachtet und so die Möglichkeit die wunderschöne Reitanlage für den Dressurkurs zu nutzen. Bei strahlend schönem Wetter und idealen Temperaturen nahmen die Teilnehmer halbstündige Einheiten nach den klassisch barocken Grundsätzen.

Das erste Pferd Honrado, ein 6-jähriger PRE mit noch wenig reiterlicher Ausbildung, reitet Vero auf Wunsch der Besitzerin am ersten Tag zwei Mal. Auffällig ist dabei, dass sie binnen kürzester Zeit das Pferd durchlässig und am Zügel in allen drei Gangarten reiten kann. Vero hat sich vor dem Reiten ausgiebig über die Vorgeschichte des Pferdes, mit einem Unfall und dadurch langer Stehzeit, informiert und kann so ideal reagieren. Am zweiten Tag kann Vero der etwas ängstlichen (aufgrund des erlebten Unfalls!) Tochter der Besitzerin ein sicheres Reitgefühl vermitteln. Spätestens bei der letzten Einheit erkennt man ein Verschmelzen von Pferd und Reiterin. Die Reiterin ist sichtlich glücklich und hat nach dem Reiten nochmals einige Übungen für zuhause mitbekommen.

Das zweite Pferd der Besitzerin des PRE ist Farid, ein Araber. Auch hier wird Vero gebeten die ersten beiden Einheiten das Pferd Korrektur zu reiten. Die Reiterin, geprägt durch den Unfall ihrer Tochter, reitet die Einheiten am Sonntag. Gut sichtbar ist hier die Arbeit am Trab und Galopp in Anlehnung.

Robin, ein 18jähriges New Forest Pony, wird von der Reitbeteiligung vorgestellt. Hier sind die Basics bei der Reiterin gefragt, Vero schafft es ideal auf die Konzentrationsschwierigkeiten und die Haltungsprobleme der Reiterin einzugehen. Die Reiterin hat von sich erzählt, dass sie überwiegend im Gelände reiten würde und bekommt eine Anleitung wie sie auf dem Platz Robin effektiv arbeiten kann, um ihn in eine entspannte Dehnungshaltung zu versetzen. Deutlich sichtbar ist nach vier Einheiten am Sonntag Nachmittag die erhebliche Leistungssteigerung der beiden.

Fino, ein großformatiger Westfale, arbeitet mit seiner Reiterin vor allem an höheren Lektionen. Gerade die Piaffe unter dem Reiter, unterstützt von Vero mit der Touchierpeitsche, vom Boden aus nachtreibend, ist ein Thema. Die Piaffe wird weiterentwickelt und der Reiterin Ideen an die Hand gegeben wie sie weiterüben und flüssigere Tritte erzielen kann. Schulterherein und Traversübungen (Travers, Renvers, Traversale) wurden ebenso verbessert. Vero zeichnet sich dabei besonders durch ihre didaktisch besonders hilfreichen und öfter auch mal bildlichen Erklärungen aus.

Eines der schwierigeren Pferde auf dem Kurs ist sicherlich Flake, ein größeres Quarter Horse, mit Vorgeschichte, früherer Durchgänger und auch heute noch oftmals relativ flott. Flake kommt auf den Reitplatz und hat anfangs Probleme mit der Dehnungshaltung und der Anlehnung. Er geht über den Zügel. Durch konzentriertes und konsequentes Arbeiten gelingt es Reiterin und Pferd sich aufeinander einzulassen. Im Trab und Schritt gelingt durch gute Zügelarbeit ein harmonisches Zusammenspiel. Der Galopp macht anfangs Schwierigkeiten, die Reiterin kann sich die Galopphilfe momentan nicht vorstellen und daher nicht umsetzen. Geduldig referiert Vero die Hilfen und scheut es nicht dabei selbst einige Galoppsprünge ohne Pferd in Trockenübung vorzumachen, um das Öffnen der Hüfte vorzuführen. Und siehe da: Galopp gelingt vor allem auf der linken Seite. Vero empfiehlt eine Vorstellung beim Osteopathen, da dem Pferd vor allem das rechte Hinterbein Schwierigkeiten bereitet und sicherlich Blockaden dafür verantwortlich sind. Um dem Pferd die Möglichkeit zu verwehren ins Rennen zu kommen, wurde viel mit Schulterherein, Konterschulterherein, Stellung und Biegung gearbeitet.

Miley, ein Vertreter der sturen Sorte, 5 Jahre alter Tinker, wird unter seiner etwas schwächeren Reiterin präsentiert. Oftmals zeigt Miley, wenn die Reiterin nicht zu hundert Prozent bei ihm ist, kleine Aussetzer, will über die Absperrung gehen und scheut auch sonst keine Tricks. Durch vehemente Beschäftigung mit interessanten Bahnfiguren schafft es Vero die Konzentration der Reiterin zu fördern und gleichzeitig dem Pferd eine beschäftigende und interessante Arbeit zu präsentieren. Für die ängstliche Reiterin ist es ein großer Schritt nach vorne, in einem Kurs vor Publikum mit ihrem manchmal doch etwas schwierigen Pferd zu reiten.

Zwei von Veros drei eigenen Pferden werden von Reitschülern, aufgrund Ermangelung eines eigenen Pferdes, von Vero ausgeliehen. Zum einen Nando, ihr langjähriger Haflinger. Die Schülerin bekam mehrere interessante Übungen, wie das „Kleeblatt“ oder „Anhalten, Rückwärtsrichten, Antraben“ als Aufgabe, um die Zügelführung weicher werden zu lassen und dadurch zu verbessern. Außerdem wird am Sitz der Reiterin gearbeitet, um sie wieder in ihr Gleichgewicht zu bringen. Nando macht seinem Namen wieder alle Ehre und brüllt konsequent zwei Mal dreißig Minuten nach seinen Stallkumpanen.

Shalom, Veros Hannoveraner wird ebenso von einem Schüler geritten. Shalom ist auf dem Außenreitplatz nicht unbedingt einfach zu reiten. Dabei wird hauptsächlich an den Basics gearbeitet. Vero, unterstützt den Schüler bei Schwierigkeiten beim Angaloppieren. Die Einheit wird von Shalom und seinem Reiter mit einem wunderschönen fliegenden Galoppwechsel beendet.

Vero gelingt es durch ihre ruhige, engagierte Art jeden Reiter und jedes Pferd auf seinem Ausbildungsniveau abzuholen, Stärken und Schwächen zu erkennen und Lösungswege aufzuzeigen, die für jeden gut verständlich sind und auch umgesetzt werden können.

Am ersten Kurstag hält Vero nach den Vormittagseinheiten ein wenig Theorie zum Thema „Losgelassenheit“ ab. Was ist Losgelassenheit und wie erreiche ich sie mit dem jeweiligen Pferd. Im unterhaltsamen, freien Vortrag erzählt Vero für jeden hilfreiche Tipps und Anleitungen über die Dauer des Aufwärmens, die von Pferd zu Pferd verschieden ist, die passenden Übungen usw.  Gerade bei diesem Kurs sind durch die verschiedenen Pferde die unterschiedlichsten Voraussetzungen gegeben.

Was man auf keinen Fall unter den Tisch kehren sollte, ist die gute Organisation des Kurses. Und wirklich nicht zu vergessen ist die reichhaltige und vor allem hervorragende Verpflegung des gesamten Kurses. Veros Mutter gilt es hier aufgrund ihrer leckeren Kuchen und ihrem guten Essen hervorzuheben, da sie dem Kurs eine private Note verleiht und für jeden das Richtige dabei ist!

Wir freuen uns in jedem Fall auf weitere lehrreiche Kurse und können Vero nur weiterempfehlen.

Vroni, Petra und Christoph